Illustration: KI-generiert · Inside China AI
Momenta: Das erste chinesische AV-Unternehmen mit bundesweiter Zulassung in Deutschland
Im Juli schrieb das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) leise Geschichte: Momenta wurde als erstes chinesisches Unternehmen überhaupt mit einer bundesweiten Zulassung für Level-4-Testfahrten im Stadtverkehr ausgestattet – jede deutsche Stadt, eine Genehmigung. Zusammen mit der Uber-Partnerschaft, die ab 2026 Robotaxi-Tests in München vorsieht, und einer europäischen Zentrale, die seit Jahren in Böblingen, Baden-Württemberg aktiv ist, ist Momenta wohl der etablierteste chinesische Player für autonomes Fahren auf dem deutschen Markt – weniger eine Ankunftsgeschichte als ein Unternehmen, das Europa erst jetzt wahrnimmt.
Die Zwei-Säulen-Strategie
Gegründet 2016 von Cao Xudong, einem Machine-Learning-Forscher aus Tsinghua und Microsoft Research Asia, verfolgt Momenta eine Strategie, die sie „zwei Beine“ nennt: Serienreife Fahrerassistenzsysteme heute an Automobilhersteller verkaufen und die von diesen Fahrzeugen generierten Flottendaten nutzen, um die vollständige Level-4-Autonomie von morgen zu trainieren. Das erste Standbein finanziert das zweite – und erzeugt einen Datenkreislauf, den reine Robotaxi-Unternehmen stattdessen mit Risikokapital finanzieren müssen. Es ist die gleiche Logik, die Tesla verfolgt, allerdings als Zulieferer statt als Autohersteller.
Tiefe Verankerung in der Branche
Das Zulieferer-Standbein hat Momenta zu einem bekannten Namen in der globalen Automobilindustrie gemacht: Zum Investorenkreis gehörten europäische, japanische und amerikanische Hersteller – Mercedes-Benz stieg bereits 2017 ein – und die Assistenzsysteme laufen in China-Modellen mehrerer internationaler Marken, darunter beide deutschen Premiumhersteller. Die Zentrale in Böblingen ist das Rückgrat der europäischen Entwicklung und seit Juli auch Basis des KBA-zugelassenen nationalen Testprogramms. Kaum ein chinesisches Technologieunternehmen ist so lange und so unauffällig Teil der automobilen Zuliefererkette gewesen.
München, Uber und das Robotaxi-Standbein
Im September 2025 gaben Uber und Momenta gemeinsame Robotaxi-Tests in München ab 2026 bekannt, mit dem erklärten Ziel, daraus einen europäischen Service zu entwickeln – und Uber hat sein Engagement weiter ausgebaut: Zuletzt investierte das Unternehmen über eine Tochtergesellschaft beim Momenta-Börsengang in Hongkong im August, womit Momenta zu den jüngsten börsennotierten Playern im AV-Sektor zählt. Die KBA-Genehmigung ist der entscheidende Schritt: Testfahrzeuge dürfen nun im Stadtverkehr in ganz Deutschland fahren, allerdings noch nicht mit zahlenden Fahrgästen – diese letzte regulatorische Hürde bleibt vorerst, und wann sie fällt, wird den Zeitplan für Robotaxis in Deutschland bestimmen, auch für Baidus Freenow-Route und Pony.ais Uber-Allianz.
Warum das für Europa relevant ist
Momenta bringt eine wichtige Nuance in die Debatte um „chinesische AVs in Europa“: Nicht jeder Akteur ist ein Außenseiter, der an die Tür klopft. Hier steht ein Unternehmen mit langjährigen Beziehungen zu internationalen Autoherstellern, einer deutschen Entwicklungsbasis und nun einer bundesweiten Zulassung – der institutionell am stärksten integrierte Weg der drei Robotaxi-Modelle, die wir vorgestellt haben. Dieses Modell bietet Europa echte Vorteile: lokale Arbeitsplätze, regulatorische Kontrolle von Anfang an und Technologiepartnerschaften statt reiner Importe. Es wirft aber auch die strukturelle Frage auf, die sich durch unsere gesamte Physical-AI-Berichterstattung zieht: Die Softwareebene, die das Fahrzeug definiert, stammt zunehmend aus Ökosystemen außerhalb Europas – und die langfristigen Bedingungen dieses Austauschs werden jetzt festgelegt, Genehmigung für Genehmigung, Partnerschaft für Partnerschaft. Bei Momenta werden diese Bedingungen zuerst ausgehandelt.



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